| Niveaulose
Diskussion über newPark
Auch wenn der newPark das wichtigste Kommunalwahlthema ist und fast
jeden Tag in der Zeitung auftaucht, werden leider kaum Argumente
und Informationen ausgetauscht. Es ist erschreckend, auf welchem
Niveau die Diskussion über das derzeit wohl für die Steuerzahler
teuerste Industrialisierungsprojekt in NRW geführt wird. Wie
zuletzt im Leserbrief von Daniel Hachtkemper wird von den newPark-Befürwortern
eine ganz einfache Formel aufgemacht: Die Wohnstadt im Grünen
hat zur Haushaltskrise geführt und ist zudem verantwortlich
für die hohe Arbeitslosenquote. Wenn wir mit newPark nun auf
das Konzept der Industriestadt setzen, sollen sich in Waltrop diese
Probleme dann lösen.
Bei dieser Formel stimmt zunächst nachdenklich, dass bekanntlich
die Industriestädte im Herzen des Ruhrgebiets die größten
Haushalts- und Arbeitslosenprobleme in NRW haben. Wohnstädte
im Grünen stehen bei diesen Indikatoren im interkommunalen
Vergleich durchschnittlich eindeutig besser da.
Zweitens ist sehr ärgerlich, dass die diese Hoffnungen
untersuchenden Gutachten, wie das newPark-Handbuch, bewusst nicht
veröffentlicht werden.
Hunderte Millionen von Steuergeldern sollen insgesamt für
den newPark verausgabt werden, aber die Steuerzahler erhalten von
den Planern und den Medien keine Informationen darüber, was
dadurch wirtschaftlich erreicht werden kann. Wären die Gutachten
tatsächlich so positiv, dann würden die Planer diese doch
wohl zur Akzeptanzsteigerung ganz veröffentlichen!
Allein, wenn man die bisher bekannt gewordenen Informationen zur
newPark-Planung beispielhaft anhand des Gewerbesteuermodells sortiert,
muss man feststellen, dass das Projekt wirtschafts- und haushaltpolitisch
bisher vollkommen stümperhaft „geplant“ wurde.
Bis zum Jahre 2006 wurde noch von den newParkplanern postuliert:
„Jedem Unternehmen, das sich ansiedelt und ab einem vorher
festgelegten Zeitpunkt mindestens 100 sozialversicherungspflichtige
Beschäftigte vorweist, wird nach dem Modell die Gewerbesteuer
für fünf Jahre erlassen“ (IHK 2006).
Erst nachdem die Landesregierung auf Anfrage von Bündnis 90
/ Die Grünen erklärte, dass dieses Modell haushalts- und
gewerbesteuerrechtlich natürlich nicht realisierbar ist, wurde
dieses Gewerbesteuermodell als zentraler Baustein des NewPark-Konzepts
eingestampft.
Dass damit nach dem NewPark-Handbuch keine nennenswerten
Standortvorteile für Datteln und Waltrop mehr bestehen und
dass damit alle Kalkulationen und Untersuchungen zum Standortinteresse
und zur Beschäftigungswirkung, die noch auf diesen massiven
Steueranreizen basieren, nicht mehr aussagekräftig sind, wurde
in der Diskussion und Berichterstattung danach systematisch verschwiegen.
Warum sollten sich nun noch massenhaft Unternehmen nach extrem hohen
öffentlichen Investitionen im newPark ansiedeln und mit welchen
Steuereinnahmen ist zu rechnen – alles sehr berechtigte Fragen,
bei denen die newPark-Planer bisher einfach auf Tauchstation gehen.
Besonders bezeichnend ist nun die Kehrtwende beim Gewerbesteuermodell:
Die Betriebe sollen nun plötzlich soviel Gewerbesteuern im
newPark bezahlen, dass alle Städte ihre Beteiligungen an der
Gesellschaft etc. hieraus refinanzieren sollen.
Im parallel zum Gesellschaftsvertrag 2009 unterzeichneten Vertrag
zum Vorteilsausgleich verpflichtet sich die Stadt Datteln (und müsste
sich dann auch Waltrop verpflichten!) einen Teil der durch Ansiedlungen
im newPark erwarteten Mehreinnahmen bei Gewerbe- und Grundsteuer
an die anderen Städte abzuführen. Die Folge wäre,
dass dennoch alle Steuereinnahmen beim Finanzausgleich angerechnet
werden müssen und deshalb zugleich weniger Schlüsselzuweisungen
des Landes und eine höhere Kreisumlage auf die Stadt Datteln
zukommt.
Insgesamt wird sich also der newPark sicherlich nicht für
die Städte oder die Landesregierung im Haushalt rechnen.
Das Gegenteil ist sehr wahrscheinlich: Der newPark wird für
die Steuerzahler und die Städte ein Millionengrab und die erhoffte
Ansiedlung von vielen größeren Industrieunternehmen wird
(wie seit Jahrzehnten in ganz Deutschland!) ausbleiben.
Deshalb ist der newPark eben nicht „nur“ aus ökologischen,
sondern gerade auch aus wirtschafts- und haushaltpolitischen Gründen
abzulehnen.
Dr. Lars Holtkamp
Bündnis 90 / Die Grünen Waltrop
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Stellungnahme
von Bündnis 90 / Die Grünen Waltrop zur vermeintlichen Umweltzone
mit 9.000 Arbeitsplätzen
Bündnis 90 / Die Grünen in Waltrop, im Ruhrgebiet und im
Land NRW lehnen die Industrialisierung der Rieselfelder ab.
Logische Folge ist, dass Städte mit grüner Regierungsbeteiligung,
wie Dortmund, selbstverständlich nicht der newPark-Gesellschaft
beitreten werden.
Bündnis 90 / Die Grünen in Waltrop haben gute Gründe
für diese ablehnende Position:
1) In den Rieselfeldern werden natürlich keine 9.000 Arbeitsplätze
entstehen durch die Automobilzulieferindustrie.
Das Ruhrgebiet wird genug damit zu tun haben im Zuge der Weltwirtschaftskrise
überhaupt die Arbeitsplätze in der Automobil-industrie an
den alten Standorten zu halten. Hoffentlich gelingt das!
2) Für eventuelle Neuansiedlungen stehen im Ruhrgebiet, wie übrigens
überall in Deutschland, mehr als genug Industrieflächen
zur Verfügung. Bekanntlich hat gerade das Ruhrgebiet aufgrund
des Rückzugs des Bergbaus und der Altindustrie viele alte Industrieflächen,
die wir sehr gerne mit neuen Unternehmen besiedeln würden. Es
fehlt nirgends an verfügbaren Industrieflächen, sondern
nur an interessierten Unternehmen.
3) Folge ist, dass höchstens Logistikzentren mit viel Verkehrsbelastungen
und wenig Arbeitsplätzen überhaupt für die Rieselfelder
sich interessieren könnten. Von Umweltzone wird also sicherlich
keine Rede mehr sein, wenn auf politischen Druck von Datteln das Land
mehrstellige Millionenbeiträge verwendet, um der RWE das riesige
Areal abzukaufen. Dann wird man jeden nehmen müssen, um überhaupt
Ansiedlungen von Logistikern verzeichnen zu können. Mit der hohen
Förderung bekommt also die Indus-trialisierung der Rieselfelder
eine nicht mehr steuerbare Eigendynamik, weil Politiker dann nach
extrem hohen Subventionen in jedem Fall scheinbare Ansiedlungserfolge
vermelden wollen. Dass diese Logistiker besser auf gut erschlossenen
altindustriellen Flächen untergebracht werden können, wird
dann gekonnt verschwiegen werden. Also keine Millionen
der Steuerzahler für umweltbelastende Subventionsruinen in den
Rieselfeldern – dafür wird auch zukünftig geschlossen
die grüne Partei stehen. Und Schluss mit der Arbeitsplatzlüge
und der systematischen Volksverdummung!
Dr. Lars Holtkamp
Bündnis 90 / Die Grünen Waltrop |